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  Frei-Lacke
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Emil Frei GmbH & Co. KG
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GERMANY

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Aktuelles

13.04.2017

Keimfreie Oberflächen ohne Biozide

FreiLacke entwickelt antimikrobiellen Lack mit physikalischem Wirkstoff, der nicht unter die Biozid-Richtlinie fällt.


Antimikrobielle Lacke schützen Oberflächen wirksam vor Keim- und bakterienbefall. Sie reduzieren langfristig das Wachstum und die Ansteckungsgefahr von Mikroorganismen, die sie außer Gefecht setzen oder ganz abtöten. Damit verbessern sie die Hygiene in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kantinen oder öffentlichen Einrichtungen. Aber auch Berührungsflächen wie Türgriffe, Treppengeländer, Lichtschalter, Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln, sanitäre Einrichtungen usw. sind wichtige Hotspots für Keime & Co, die von einer antimikrobiellen Beschichtung dauerhaft profitieren.

 

Fast alle antimikrobiellen Lacke, die der Markt bereithält, fallen unter die Biozid-Richtlinie, weil ihre Wirkstoffe auf chemische oder biologische Art und Weise wirken. „Ein antimikrobieller Lack wird als Biozidprodukt eingestuft, wenn der Wirkstoff durch Herauslösen von Ionen den Stoffwechsel der Mikroorganismen stört und diese dann absterben, also chemisch bzw. biologisch einwirken.“, erklärt Tanja Weiler, Branchenkoordinatorin bei FreiLacke. „Nur wenn eine reine physikalische Wirkung vorliegt, fallen die Produkte nicht unter die Biozid-Richtlinie. Ein Beispiel: Mausefallen oder Fliegenklatschen sind keine Biozidprodukte.“ So greift auch bei elementarem Silber die Richtlinie, wie ein Fachgremium vom Verband der deutschen Lackindustrie jetzt beschied: Silber löst einen chemischen Prozess aus und der damit versetzte Lack ist dazu bestimmt, Schadorganismen zu zerstören.

 

Aufwändige Risikobeurteilung

 

Biozidprodukte müssen in einem aufwändigen Registrierungsverfahren und hohen Kosten bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) erfasst und zugelassen werden. „Da FreiLacke auf die detaillierten Informationen der Wirkstoffhersteller hinsichtlich Risikobeurteilung für Mensch und Umwelt angewiesen ist, müssen diese Informationen für einen entsprechend hohen Betrag eingekauft werden“, berichtet Lackexpertin Weiler.

Produkte, die mit antimikrobiellen Lacken beschichtet wurden, fallen ebenfalls unter die Richtlinie. Sie müssen als behandelte Ware angemeldet und gekennzeichnet werden, was auch für Anwender, zum Beispiel Hersteller von Möbeln oder medizinischen Geräten, einen enormen Aufwand bedeutet.

Um diesen Aufwand zu umgehen, hat FreiLacke jetzt zwei antimikrobielle, lösemittelhaltige Lacksysteme auf den Markt gebracht, die einen rein physikalischen Wirkmechanismus enthalten und damit nicht unter die Richtlinie fallen. Bei „UR1090 EFDEDUR“ handelt es sich um einen glatten 2K-Polyurethan-Decklack, während „GS1091 EFDEDUR“ ein 2K-Strukturlack ist, dessen Struktur je nach Spritzbild variiert. Die Lacke eignen sich fürSubstrate wie Stahl, Nichteisen-Metalle und diverse Kunststoffe wie z. B. PA, ABS und GFK und können per Airless-Applikation oder Hochdruck-Spritzen appliziert werden.

 

Fehlende Norm für Oberflächen

 

Bislang gibt es noch keine Norm, die konkrete Angaben dazu macht, wann eine Oberfläche als antimikrobiell eingestuft werden kann. Zwei Normen, JISZ2801:2000 und ISO 22196:2007, nehmen jedoch eine Beurteilung der antimikrobiellen Wirkung vor. „FreiLacke hat in Anlehnung an die JISZ 2801:2000 für sich festgelegt, dass eine antimikrobielle Wirkung bei einer Bakterien-Reduzierung von ≥ 2 Log-Stufen vorliegt. Dies entspricht einer Bakterienreduzierung von ca. 99,9%“, so die Lackexpertin.

Bei einer Prüfung nach JISZ 2801:2000 und ISO 22196:2007 wird die antimikrobielle Oberfläche mit entsprechenden Bakterienstämmen (normalerweise Escherichia coli ATCC 8739 und Staphylococcus aureus ATCC 6538) belastet. Nach einer Inkubationszeit von 23 bzw. 24 h wird geprüft, in welchem Ausmaß sich die Bakterien vermehrt oder verringert haben. Die Prüfung dauert nach Einreichung beim Institut rund sieben Tage; 25 Proben in einer Größe von 5 x 5 cm sind für verlässliche und aussagekräftige Ergebnisse nötig.

 

Langzeit- und Belastungstests erfolgreich bestanden

 

Die Prüfung der antimikrobiellen Wirkung von „EFDEDUR UR1090“ und „EFDEDUR GS1091“ wurde direkt nach der Einarbeitung des Wirkstoffes durchgeführt sowie nach drei und zwölf Monaten Lagerung bei Raumtemperatur wiederholt. „Die Intensität der Wirkung hat sich rein durch die Lagerung nicht verändert“, erläutert die Branchenkoordinatorin. „Zudem wurden die Proben bei einer Langzeitüberprüfung einem Schwitzwassertest von 1440 Std. nach DIN EN ISO 6270-2 CH unterzogen. Damit sollte geprüft werden, ob sich der Wirkstoff durch eine kontinuierliche Feuchtigkeitsbelastung „auswaschen“ lässt.“ Die antimikrobielle Prüfung der Strukturlackfarbe GS1091 zeigte keine Verschlechterung der Wirkungsweise nach dieser langen Feuchtigkeitsbelastung, alle Ergebnisse waren mit einer unbelasteten Probe vergleichbar.

 

Wirkungsweise von >2-Log Stufen

 

Darüber hinaus wurden „EFDEDUR UR1090“ und „EFDEDUR GS1091“ über 250 Zyklen einem speziellen Heißdesinfektionstest unterzogen. Die EFDEDUR Lackfarbe UR1090 zeigte selbst nach dieser sehr harten Belastung noch eine starke antimikrobielle Wirkung gegenüber beiden Bakterienstämmen. Bei der EFDEDUR Strukturlackfarbe GS1091 konnte gegenüber Staphylococcus aureus ATCC 6538 noch eine starke, gegenüber Escherichia coli ATCC 8739 eine leichte antibakterielle Aktivität nachgewiesen werden. „Damit ist es uns gelungen, einen Wirkstoff mit einem physikalischen Mechanismus in die zwei lösemittelhaltigen Lacksysteme einzuarbeiten. Bei beiden ist eine Wirkungsweise von >2-Log Stufen gegeben“, erklärt Tanja Weiler zufrieden.

 

Die Biozid-Richtlinie EU Nr. 528/2012

Durch die Einführung der Verordnung EU Nr. 528/2012 gelten seit September 2013 einheitliche Regelungen für eine Vielzahl von Produkten, die zur Bekämpfung von Schadorganismen eingesetzt werden, wozu beispielsweise Nagetiere, Insekten oder Mikroorganismen gehören.

Die Abtötung oder Reduzierung von Mikroorganismen wird nicht nur durch verschiedene Wirkstoffe, sondern auch durch verschiedene Wirkmechanismen erzeugt. Chemisch wirkende Stoffe wie zum Beispiel Desinfektionsmittel sind nach der EU Nr. 528/2012 kennzeichnungs- und anmeldepflichtig und fallen unter die Biozid-Richtlinie EU Nr. 528/2012, während physikalisch wirkende Stoffe wie zum Beispiel Fliegenklatschen oder Mausefallen nicht meldepflichtig sind.